The badge of power!
„Eigentlich“ hatte ich mir vorgenommen nicht mehr jeden Tag zu bloggen, da ich schon diverse Messages mit „man, du schreibst aber viel“ bekommen habe.
Da heute aber mal wieder ein etwas ungewöhnlicher Tag war muss ich das für mein „Tagebuch“ festhalten. Ich bin heute morgen nicht zur Arbeit gefahren, sondern habe mein Pferd gesattelt um in Richtung New Brunswick zu reiten. Dort erwartete mich nämlich eins der hiesigen Social Security Offices. Diese muss man aufsuchen um an seine SSN (Social Security Number) zu gelangen. So gegen 10 stand ich da vor der Tür, und da wurde mir mal wieder klar warum ich Ämter einfach total zum kotzen finde!
Unabhängig von Deutschland, USA oder wahrscheinlich irgendwo sonst auf der Welt ist so ein Amt für mich der Inbegriff der Unwirtschaftlichkeit (sorry Michael 😉 ). Überall warten X Menschen X Stunden lang und können nix anderes tun als ihre Zeit zu verdödeln. Da helfen auch die feschen Wartemarken nix – außer ein ewiges hoffen auf den Aufruf der Nummer die man nach einigen Stunden schon total verknittert und verschwitzt in den Händen hält. Ich verstehe bis heute nicht warum offizielle Behörden die einzigen sind die nach solch einem Schema vorgehen – bei normalen Dienstleistern wie Ärzten, Autowerkstätten & Co erhält man doch auch seine Leistung mit weniger als 2 Stunden Wartezeit – einfach per Termin.
Tja, leider half alles nix – da ich nicht in 5min das gesamte amerikanische Behördensystem umkrempelt konnte musste ich wohl oder übel eine Marke ziehen. Das tat ich dann auch – da viel mir gleich die nächste ABM-Maßnahme ins Auge ;). Da saß ein netter Herr (in Uniform) in der Mitte des Raumes der einem sagte welche der drei Tasten man auf dem Touchscreen für seine Marke zu drücken hatte. Dieses musste er im Laufe des Tages ca. 100 mal tun, und die meisten verstanden es nicht, so dass er es nochmal wiederholen musste. Der Automat stand allerdings nur 30cm von ihm entfernt – also frage ich nicht warum er nicht gleich die Marken austeilte, das wäre auf jeden Fall schneller gewesen…zusätzlich verwunderte mich noch der Gegensatz:
Es gab zwar den Touchscreen für die Wartemarken, ich musste aber leider vergeblich nach einer Anzeigetafel für die „Numbers of Desire“ suchen. Ha, neeein, wir kommt man auch auf so ne Idee, der nette Uniform-Mann hakte nämlich jede aufgerufene Nummer per Hand auf einem Zettel ab und rief dann die nächste Nummer wieder auf. Schön war auch das ständige kommen und gehen in dem Raum – so musste er nämlich jedem der den Raum betrat wieder die aktuelle Nummer persönlich verraten – was für ein Zirkus!
Was mir auch schon häufiger in diesem Land aufgefallen ist, ist die Art hier mit Diskretion umzugehen. Das komplette Prozedere spielte sich in einem ca. 50qm großem Raum ab, da standen 30 Stühle, der gute Graf Zahl und 3 Schalter mit Sachbearbeiterinnen. Alles war recht laut, und von Diskretion, Mindestabstand & Co. konnte keine Rede sein. Komisch nur, dass die SSN wohl eines der wichtigsten Dokumente im Leben eines Amis ist, und trotzdem so „leichtsinnig“ mit den Infos umgegangen wird.
Das selbe Phänomen hatte ich auch schon in der Bank, wo mir die nette Bankmitarbeiterin ihr Keyboard über den Schalter gereicht hat um mein PW und persönliche Fragen+Antworten für mein Onlinebanking einzutippen. HALLO?! Wo gibts denn sowas? In Deutschland wäre sowas undenkbar gewesen dass eine andere Person die Daten mitlesen kann während man sein privates Passwort vergibt.
Tja, an dem Spruch „Andere Länder, andere Sitten“ scheint wohl was wahres dran zu sein 😉 . Gut, aber weiter im Text. Pünktlich um 10 hatte ich meine Nummer, dann musste ich ein fixes Formular ausfüllen (und das war sogar mal wirklich easy) – pünktlich um halb eins war ich (sichtlich genervt) an der Reihe. Auch hier gab es natürlich Komplikationen, hätte mich ja auch gewundert wenn in dem Land mal was glatt gegangen wäre. Ein „wichtiges Dokument“ fehlte in meinem Pass, und ohne das besagte I-95 müsste ich erst zur Immigation gehen. Vom I-95 hatte ich bis dato noch nix gehört (und glaubt mir, ich hab schon ne Menge Formulare ausfüllen müssen damit ich hier sitzen und bloggen kann 😉 ), aber ich war mir sicher alle Unterlagen immer dabei zu haben. Ich zog also mal wieder ohne Erfolg von dannen und sammelte im Auto nach neuen Kräften. Ich hatte nicht 2.5 Stunden gewartet um dann einfach spurlos die Biege zu machen. Also räumte ich nochmal sämtliche Dokumente aus, suchte zwischen allen Kopien, Belegen etc. ob ich nicht ein kleines I-95 erspähte.
Und oh Wunder – da war es. Es war ein Wollknäul- Creditcard-großes Stück Papier mit ner Nummer drauf was ich ziemlich beiläufig bei der Einreise erhalten habe, und was sich wirklich NIE in meinem Pass befand (wo es eigentlich hin sollte…).
Gut, mit neuem Lebensmut und dem Stück Papier in der Hand bin ich also wieder in die Höhle des Löwen rein – und es kam wie es kommen musste…
Ich frage Graf Zahl ob ich schnell wieder an den Schalter dürfte, da seitdem ja gerade mal 3min vergangen waren. Er sagte „No“ – ich wägte kurz ab ob ich mit nem Knarren-Ami diskutieren wollte – und drückte dann abermals auf das mir bekannte Touchpad 🙁 . Weitere zwei Stunden später war ich dann erneut an der Reihe, diesmal stimmte alles und ich bekam wieder ein neues Dokument auf das ich gut aufpassen sollte. Die SSN kommt jetzt in ca. zwei Wochen per Post – und that’s it. Wofür ich die eigentlich brauche ist mir nicht ganz klar, da ich auch ohne die Nummer bei Siemens arbeiten kann, ne Bude habe, n Bank-Account und ne Handykarte – aber irgend einen Sinn wird das Ding schon haben 😉 .
Da ich die Zeit nicht anders nutzen konnte als blöd in die Luft gucken (es gab ja nicht mal ne Anzeigetafel wo sonst alle draufstarren) schaute ich mir ein wenig meine Mitstreiter an. Wenn das die „normale“ amerikanische Mittelschicht ist – dann sind das zum Großteil wirklich arme Leute. Ich weiß nicht ob das Social Security Office mit dem deutschen Sozialamt gleichzusetzen ist, aber dieser Multi-Kulti-Mix war mir bis dahin entgangen. Kaum ein Weißer, dafür um so mehr Schwarze, Hinspanics, Inder und sonstige Kulturen die sich auf den verschiedensten Sprachen unterhielten. Wieder um eine Erfahrung reicher kann ich nur sagen – auch wenn ich mir die ca. 5 Stunden Wartezeit gerne erspart hätte.
Um dem Tag noch einen krönenden Abschluss zu verleihen bin ich dann um ca. 16 Uhr noch zu Siemens gefahren und habe erst Mal Ziel auf die Personalabteilung genommen. Ich bin zwar schon ein paar Tage „on Board“, trotzdem gab es noch einige Dokumente & Dinge zu klären. Als ich im Personalbüro ankam wartete ER schon auf mich. Nein, nicht der Graf Zahl mit der Knalle vom Sozialamt – sondern MEIN BATCH!
Wenn ihr euch jetzt fragt was „ein Badge“ ist, dann wisst ihr wie es mir an meinen ersten Tagen ergangen ist 😉 . Ein Badge ist so ne Art ID-Karte jedes Mitarbeiters, die ne Menge Features enthält. Die Wichtigkeit dieses Teils wurde uns in der Einführungsveranstaltung mitgeteilt, typischerweise benutzt man sie um Zugang zu den Gebäuden zu erhalten, sich am Rechner einzuloggen, in der Kantine zu bezahlen (aber wir haben keine) nd so on…Auf jeden Fall ein wichtiges Utensil, und überall auf der Welt gültig (also auch in anderen Siemens-Gebäuden). Heute konnte ich dann auch endlich meine temporäre Karte gegen meine personalisierte eintauschen, die man auch immer schön sichtbar und griffbereit am Körper tragen muss.
Und weil ich diesen „schönen Moment“ mit euch teilen will – hier ist das gute Stück:
(sorry, Pic nur ohne Blitz und mit der kleinen Cam 🙁 )
Nun ja, die wird jetzt täglich mein neuer Begleiter sein für die nächsten 5.5 Monate 😉 . Das wars auch schon, der Tag war vorüber und ich froh wieder einiges erledigt zu haben.
Bye bye
G


(8 votes, average: 4,88 out of 5)
(4 votes, average: 3,75 out of 5)