Lost in space
Mal wieder eine kleine Anekdote…also einige Momente die ich hier durchlebe sind durchaus filmreif (oder zumindest die Gedanken die ich mir dabei zusammen spinne) ! Ich wollte nichts unmögliches, einfach nur in den Supermarkt gehen und mich ein wenig mit Bettzeugs und Handtüchern eindecken. Zur Zeit bin ich noch auf die Spendierhosen meiner Mitbewohner angewiesen – das hatte ich vor zu ändern.
Nach getaner Arbeit stapfte ich also tapfer durch den überdimensionalen Eingang des Shops und malte mir dabei im Kopf schon aus, was mich wohl diesmal für Überraschungen erwarten würden…Nach einigen Metern wusste ich schon die Antwort: Kein normaler Mensch (der Englisch nur in der Schule hatte und das schon ein paar Jahre her ist) kennt solche Vokabeln wie Bettwäsche, Kissenbezug oder gar Spannbettuch. Na super, ohne mein LEO schrumpften meine Kommunikationsfähigkeiten schlagartig um 50% – trotzdem gab ich mich noch nicht geschlagen. Ich fing an (wie ein normaler EUROPÄER) durch den Supermarkt zu schlendern, ohne genau zu wissen in welche Abgründe mich der nächste Gang wohl wieder reißen würde…
Trotz (mittlerweile) dreiwöchigem Aufenthalt in den USA ist der Besuch in nem Supermarkt für mich immer noch ein Erlebnis. Welcher Mensch auf der Welt braucht denn ganze zwei Regale mit abgepacktem (geschnitten & gewaschenem) Fertig-Salat, sechs Regale mit Softdrinks (von der 100-kcal-Dose bis hin zur obligatorischen Gallone) oder Klinex-Rollen im 24er-Pack ??? Ich glaube ich werde es nie verstehen – deswegen freu ich mich schon auf die nächsten Supermarktbesuche 😀 . Nach ca. einer viertel Stunde war ich dann am Ziel – in der Bettwäschen-Abteilung (oder wie die auch immer heisst).
Und da war sie – gleich die nächste Herausforderung. Hier gehts nämlich nicht um 140×200 (abgesehen davon dass die sowieso mit cm-Angaben nix anfangen können 😉 ), sondern um Normal-, Queen-, King- und Papst-Size…oder so ähnlich…fragt mich nicht wie die darauf kommen oder ob diese „Maße“ in irgend einer Weise standardisiert sind…ich hatte auf jeden Fall mit so einer Komplikation gerechnet und mich schon schlau gemacht – „wahrscheinlich“ habe ich Queen-Size (das entspricht wohl so 140×200), da King-Size 200×200 ist.
Leider wurde ich da gleich ein weiteres Mal enttäuscht. Im Land in dem normalerweise alles billig ist (außer Lebensmittel) kostet die Queen-Size Bettwäsche plötzlich 50$. Da mich meine Vokabelkentnisse ja schon am Eingang im Stich gelassen hatten konnte ich nicht mal so ganz verstehen ob es sich jetzt nur um das Laken, um n Bettbezug oder alles in einem handelte. Egal, auf jeden Fall war es zu teuer (komisch das ein Kissen aber nur 5$ kostete ??) ! Drei Regale später war es mir immer noch zu teuer, deshalb bin ich mit gesenktem Haupt von dannen gezogen.
Ich war schon fast am Ausgang, da sah ich in der Ferne ein Lichtlein blitzen. Und was stand da drauf? TOWELS – YES, endlich mal ne Vokabel mit der ich was anfangen konnte. Die Handtücher hatte ich bei meiner Odysee ganz vergessen, ich rannte also wie ein Rammbock durch die Buchsbaumhecke in Richtung Leuchtschrift. Es stand zwar überall „Made in China“ drauf – trotzdem waren die Preise wohl Amerikanisch. 12$ für n Gimmel-Handtuch, das überstieg dann sogar meine Freude am Spiel „Mensch, zück die Credit-Card“.
Nicht dass ihr mich falsch versteht, schon klar dass ein vernünftiges Handtuch mehr kostet als 8 €, aber nicht in ner Art Kik, der Ami-TextilDISKONT und in der Größe eines Waschlappens. Ich musste mich wohl oder übel geschlagen geben, ich verließ den Ausgang also so wie ich gekommen war – nur wieder um einige Erfahrungen reichen…
Und die Moral von der Geschicht: Dass man manchmal mit 28 Jahren nicht in der Lage ist Bettwäsche zu kaufen – wenn ich es nicht selber erlebt hätte würde ich es nicht glauben 😀 .

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